Im Taucherparadies!

5. Im Taucherparadies

Ist ist eine kleine Insel, genannt Vis, die innerhalb von 3 Stunden mit der Fähre von Split aus zu erreichen ist. Nach meiner Internetrecherche ist hier das Wracktauchen besonders attraktiv.

Zunächst muss ich allerdings die Insel überqueren und natürlich in ein Berg im Weg. Das bedeutet 5km bergauf fahren(ca. 5% Steigung) und dann kommen tatsächlich 1000m mit 10% Steigung. Autsch. Das ist ziemlich heftig. Aber am Ende komme ich irgendwie oben auf dem Berg an.

Also genau mein Ding. Der Plan sieht vor, drei Tage tauchen zu gehen, um dann weiter zu radeln. Am Ende bleibe ich 6 Tage. Die Insel und die Tauchplätze vereinnahmen mich.

Ich lerne eine Gruppe erfahrender Tec-Taucher kennen. Tec-Tauchen ist deutlich anspruchsvoller als das normale Sporttaucher, da man deutlich tiefer tauchen kann. Wracks in Tiefen von 50 bis sogar 100m sind keine Seltenheit und als Tec-Taucher auch machbar. Natürlich nicht für den normalen Sporttaucher, wie mich. Dennoch erzählen mir die Jungs spannende Tauchgeschichten und und geben mir gute Tipps.

Auch für Sporttaucher gibt es viele interessante Wrack zu erkunden und Martin, der Tauch Guide und Tec-Profi zeigt viele tolle Plätze. Auch darf ich mit in Höhlen und in den Wracks tauchen. Ich bin im Paradies und möchte die Insel gar nicht mehr verlassen. Dieses Gefühl ins dunkle Blau des Meeres abzutauchen, dann ein mystisches Schiffs- oder auch Flugzeugwrack zu erkunden ist einfach unbeschreiblich und gibt mir inneren Frieden.

So schön Rad fahren auch ist, es kann bei Weitem nicht mit dem Tauchen mithalten. Also verlängere ich ein paar Tage. Die Zeit muss sein.  Am letzten Abend gehen wir alle noch zum Gulasch Disko Festival. Das ist ein Hippie-Elektro Festival direkt am Strand. Es findet einmal im Jahr für 3 Tage statt. Immerhin den letzten Tag nehmen wir mit und tanzen amüsiert in die Nacht. 

Der Abschied von der wundervollen Insel fällt mir wirklich schwer. Wäre ich nicht mit dem Rad und hätte ich nicht noch 2000km vor mir, würde ich bleiben. Aber man kann immer wiederkommen. Und ich denke, dass werde ich auch eines Tages tun. Jetzt ist es aber wieder an der Zeit in die Pedalen zu treten.

Zumindest für 6 Tage. Ich fahre von Split in Richtung Süden, nach Dubrovnik.  Dabei passiere ich die 2000km. Bäm! 2000km fahre ich nun bereits. Von Hamburg bis Podaca. Und der anstrengende Teil wird erst noch kommen, da es nicht weniger Berge werden. Aber ich bin schon jetzt verdammt stolz auf mich und meine Leistung. 

Die Tage verlaufen ähnlich. Früh aufstehen, radeln an einem Campinplatz ankommen, etwas essen und recht zeitig schlafen gehen. Ich passiere die Grenze zu Bosnien und Herzegowina, fahre dort allerdings nur 12km, um dann wieder die Grenze nach Kroatien zu passieren. An der Grenze werde ich dann auch das erste Mal durchsucht, ob och denn aus keine Drogen schmuggle. In Dubrovnik, welches eine sehr hübsche aber auch recht überlaufene Stadt ist, bricht dann mein Fahrradständer ab. Das erste, was wirklich kaputt geht, abgesehen von ein paar Schrauben. Der Fahrradständer ist allerdings wichtig, wie ich finde. Also muss ich das wohl demnächst reparieren lassen. 

Ohne Fahrradständer geht es nun weiter in Richtung Montenegro. Mein siebtes Land, welches ich durchquere. Und die Landschaft verändert sich auch. Ich bin umgeben von vielen tollen Bergen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich einige Höhenmeter zu passieren habe. Kurz vor Kotor, einer wirklich empfehlenswerten Stadt, bin ich unkonzentriert. Auch wenn man auf einer wenig befahrenen Straße unterwegs ist, sollte man niemals unkonzentriert fahren. Ich wechsle die Straßenseite, ohne zu schauen, ob hinter mir ein Auto ist. Krach! Ich kollidiere mit dem Auto und grüße den Straßenboden. Der Autofahrer ist sichtlich erschrocken und erkundigt sich sehr hilfsbereit, ob es mir gut gehe. So richtig kann ich das in diesem Moment noch gar nicht einschätzen, aber so weit scheint es nicht dramatisch zu sein. Nur mein Ellenbogen schmerzt und beginnt anzuschwellen. Ich dachte zunächst, dass ich das im Krankenhaus überprüfen lassen sollte, aber ich entscheide mich dazu zu warten. Immerhin kann ich meinen Arm beugen und drehen. Tatsächlich scheine ich noch einmal mit einem Schrecken davon zu kommen. Das hätte durchaus schlimmer enden können. Auch Siggi scheint es gut zu gehen.

Nachdem ich den ersten Schock überwunden habe, erkunde ich noch ein wenig Kotor an diesem Nachmittag. Immerhin gibt es eine schöne Burg in den Bergen zu besichtigen, von wo aus man einen traumhafte Aussicht hat.

An diesem Abend überlege ich hin und her. Wie soll sich die morgige Fahrt gestalten? Denn es soll zunächst 20km bergauf gehen. An sich eine Challenge, die ich mehr oder weniger gern annehme, aber nach dem Unfall, mit dem geschwollenen Ellenbogen ist das vielleicht keine gute Idee. Und so entscheide ich mich erst ab Cetinje weiterzufahren und bis dahin den Bus zu nehmen. Und diese Entscheidung ist auch durchaus richtig, denn unterwegs merke ich, dass Siggi Probleme mit der Schaltung hat. Die Kette springt beim bergauf fahren öfter und somit lässt es sich nicht wirklich fahren. Also die 20km bergauf wäre  in diesem Zustand eine Tortur gewesen. Als ich in Podgorica ankomme, fahre ich also mit Siggi zum Fahrradladen, da ja auch der Radständer repariert werden muss. 

In Podgorica will ich ohnehin eine Pause einlegen, um die Balkan Gegend ein wenig mit dem Mietwagen zu erkunden, da ich bei weitem nicht alles, was ich gern sehen möchte, auch mit dem Rad erleben kann. Das wäre viel zu viel und ich wäre Weihnachten noch nicht in Istanbul. Diese Pause kommt doch ganz gelegen, da sich so mein Ellenbogen erholen kann. 

Bis bald!

Besitos